Zu Beginn einer Beziehung sprechen die wenigsten ĂŒber Geld und persönliche Finanzen. Schließlich ist das Thema nicht unbedingt romantisch. In der ersten Zeit ist das auch durchaus verstĂ€ndlich. Doch wird es spĂ€testens aktuell, wenn Paare in einen gemeinsamen Haushalt ziehen.

Gemeinsames Konto oder getrennte Konten: Die Vor- und Nachteile

Mein Partner und ich haben am Anfang unserer Beziehung kaum ĂŒber Finanzen gesprochen. Jeder fĂŒhrte sein eigenes Girokonto und wir verdienten ungefĂ€hr das Gleiche. Damals kam uns ein Gemeinschaftskonto nicht in den Sinn. Das geht wohl vielen Paaren zu Beginn so. Nach ein paar Jahren haben wir geheiratet, schließlich bekamen wir Kinder.

Das Ànderte alles.

Zuerst war ich, dann er in Elternzeit. Die getrennte HaushaltsfĂŒhrung war nicht mehr praktisch als Familie mit unterschiedlichem Einkommen. Etwas anderes musste her. Wir entschieden uns fĂŒr ein Gemeinschaftskonto. Doch war das wirklich eine gute Idee? Mehr dazu im Artikel.

Welche Fehler solltest du vermeiden bei den Familienfinanzen? Hier erhĂ€ltst du einen Überblick.

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Der simple Weg: Das Gemeinschaftskonto

Manche Familien oder Paare wĂ€hlen ein Gemeinschaftskonto. Auf dieses Konto fließen alle Einnahmen von Gehalt, Kindergeld, bis zu KapitalertrĂ€gen oder sonstigen Einnahmen. Auch alle Ausgaben werden ausschließlich ĂŒber dieses Konto geregelt.

Beim „oder“-Konto sind beide Kontoinhaber einzeln verfĂŒgungsberechtigt, beim „und“-Konto können nur beide Kontoinhaber zusammen entscheiden. Praktischer ist natĂŒrlich das „oder“-Konto, ansonsten mĂŒsstet ihr bei jeden Dauerauftrag den Partner fragen.

Vorteile Gemeinschaftskonto:

  • Jeder weiß genau, wie viel der andere einnimmt und ausgibt. Das empfinden manche als Vorteil, denn dann lassen sich gemeinsam Sparpotenziale finden.
  • Du kannst jederzeit auf das Konto zugreifen. Auch im Notfall, wenn dein Partner im Krankenhaus liegt, kannst du Miete und sonstige GebĂŒhren bezahlen. Bei getrennten Konten brĂ€uchtest du dafĂŒr eine Konto-Vollmacht.
  • Wenn du ein Haushaltsbuch fĂŒhrst – also genau aufschreibst, wie viel und wofĂŒr du Geld ausgibst – ist das bei einem Gemeinschaftskonto viel einfacher umzusetzen. Ein umstĂ€ndliches Berechnen von einem gerechten Anteil pro Ausgabe entfĂ€llt.
  • Kein Partner hat das GefĂŒhl, dass einer zu oft einlĂ€dt. Alles stammt aus einem gemeinsamen Topf.
  • Geringe KontogebĂŒhren, denn diese fallen bei kostenpflichtigen Konten pro Konto und nicht pro Kunde an.
  • Manchmal interessiert sich ein Partner nicht fĂŒr die Familienfinanzen sowie fĂŒr eine profitable Geldanlage oder die Altersvorsorge und möchte möglichst wenig damit zu tun haben. Dann ist es durchwegs sinnvoll, wenn der andere, also zumindest einer, dies ĂŒbernimmt. Ein gemeinsames Konto bietet sich da an. Langfristig könnte sich derjenige, der sich nicht fĂŒr Geld interessiert, fragen, woher diese Einstellung kommt und welche Nachteile diese langfristig haben könnte. Die Scheidungsquote pro Jahr sinkt zwar, doch wird noch immer gut ein Drittel der Ehen geschieden in Deutschland. Gut, wenn jeder weiß, wie es finanziell weitergeht.

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Nachteile Gemeinschaftskonto:

  • Es ist einfach schwieriger, den anderen einmal einzuladen. Vielleicht verliert fĂŒr dich der schöne Restaurantbesuch oder der spannende StĂ€dtetrip an Reiz, wenn die Ausgabe dafĂŒr vom gemeinsam Ersparten bezahlt wird und es sozusagen keine echte Einladung ist.
  • Was nur wenige wissen: beim Gemeinschaftskonto wird die HĂ€lfte der Einzahlung des einen Partners als Schenkung an den anderen Partner gesehen. Das betrifft vor allem vermögende Ehepaare oder ledige Paare. Ab einem Freibetrag von 500.000 Euro ĂŒber 10 Jahre bei Ehepartnern und 20.000 Euro ĂŒber 10 Jahre bei unverheirateten Paaren fĂ€llt eine Schenkungssteuer an.

    So ein Freibetrag ist schnell erreicht bei nicht verheirateten Partnern. Doch selbst bei Ehepartnern, wenn die eine besonders gut verdient oder eine hohe Erbschaft erhĂ€lt, könnte der Freibetrag bei einem Gemeinschaftskonto ĂŒberschritten werden.

    Entweder du kannst dem Finanzamt beweisen, dass der Zahlungseingang nur fĂŒr deinen Vermögensaufbau genutzt wurde (beispielsweise wenn du ETFs dafĂŒr kaufst fĂŒr dein eigenes Depot) oder du hĂ€ltst schriftlich fest, dass der andere Partner allein Lebenshaltungskosten mit dem ĂŒberwiesenen Geld begleicht. Erst dann gilt die HĂ€lfte der Überweisung nicht als Schenkung.
  • Was, wenn einer von beiden viel mehr fĂŒr scheinbar „Unnötiges“ ausgibt als der andere? Bei einem gemeinsamen Konto streitet ihr ĂŒber diese Ausgaben eher. Selten sind beide Partner gleich sparsam.
  • Beide Partner haften fĂŒr die Schulden und stehen fĂŒr die Tilgung ein auf dem gemeinsamen Konto. Du solltest dir also genau ĂŒberlegen, mit wem du ein gemeinsames Konto eröffnest.
  • Bei einer Trennung ist das Gemeinschaftskonto weniger sauber aufzuteilen.
  • Auch wenn du verheiratet bist: Du magst vielleicht nicht grĂ¶ĂŸere Anschaffungen absprechen, sondern selbststĂ€ndig von deinem eigenen Geld bezahlen. GefĂŒhlt ist das schwieriger beim Gemeinschaftskonto.

Scheinbar bequem: getrennte Konten

Fast alle Paare haben zu Beginn je ein Girokonto. Viele fĂŒhren das 2-Konten-Modell bzw. die getrennten Konten auch so weiter. Manchmal passiert das aus Bequemlichkeit. Manchmal aber auch, um eine gewisse SelbststĂ€ndigkeit zu bewahren.

Sobald jedoch einer deutlich mehr verdient als der andere oder gemeinsame Kinder da sind, wird es schwierig mit einer gerechten Aufteilung. Doch was sind die Vorteile, wenn ihr getrennte Konten statt eines Gemeinschaftskontos habt?

Vorteile getrennte Konten:

  • Das 2-Konten-Modell ist vor allem einfach zu Beginn. Üblicherweise hat jeder Partner schon ein Girokonto, ĂŒber das alle Zahlungen eingehen. Sind persönliche Finanzen und Geld kein Thema in der Beziehung, wird dieses Modell genauso weitergefĂŒhrt.
  • Eine klare Trennung der Finanzen kann viel Diskussion ersparen, vor allem wenn beide ungefĂ€hr gleich viel verdienen. Ist ein Partner sparsamer als der andere, muss nicht jede Ausgabe einzeln durchgesprochen werden.
  • Beim Gemeinschaftskonto diskutiere ich mit meinem Mann manchmal ĂŒber große Anschaffungen. Mit SelbststĂ€ndigkeit hat das nichts mehr wirklich zu tun. Es ist vorteilhaft, wenn jeder sein Geld hat.

Nachteile getrennte Konten

  • Vor allem, wenn einer der Partner beruflich zurĂŒcksteckt fĂŒr die Kinder, empfinden viele getrennte Finanzen innerhalb der Familie nicht mehr gerecht. Die meisten wechseln dann auf ein Gemeinschaftskonto. Das ist nicht verwunderlich: Die Erziehung der Kinder kann auch anstrengend sein und Arbeit bedeuten, bezahlt wird sie jedenfalls nicht. Das Elternteil, das weiterhin voll berufstĂ€tig ist, verdient ohne weitere EinschrĂ€nkungen. SpĂ€testens jetzt sollte ein Ausgleich gefunden werden. Das ist aber auch möglich, mit getrennten Konten.
  • Kleine Ausgaben summieren sich. Besonders bei getrennten Konten ist eine genaue HaushaltsbuchfĂŒhrung notwendig, um die Kosten im Blick zu haben.
  • Wenn Partner unterschiedlich viel verdienen, möchte der eine vielleicht mehr ausgeben fĂŒr die gemeinsame Wohnung oder den gemeinsamen Urlaub. Derjenige, der weniger verdient, kann da grĂ¶ĂŸtenteils nicht mithalten und lebt im schlimmsten Fall ĂŒber seine VerhĂ€ltnisse. Wenn ihr die Finanzen gemeinsam fĂŒhren wĂŒrdet, kommt es nicht zu dieser Situation. Denn dann werden alle Ausgaben von einem Topf bezahlt.
  • Bei getrennten Konten solltet ihr ĂŒber eine Konto-Vollmacht nachdenken. Stell dir vor, dein Partner hat einen Autounfall und liegt viele Monate im Krankenhaus. Er ist nicht mehr ansprechbar. Alle wichtigen Überweisungen wie die gemeinsame Miete oder KreditrĂŒckzahlungen laufen ĂŒber sein Konto. Was bedeutet es fĂŒr dich, wenn du in dieser schwierigen Zeit keine Rechnungen mehr bezahlen kannst?

    Bei all der Trauer und dem Schock nach dem Autounfall möchtest du wahrscheinlich nicht noch finanzielle Probleme haben. Wenn ihr kein gemeinsames Konto habt, dann ist eine gegenseitige Konto-Vollmacht sinnvoll. Damit könnt ihr im Notfall wichtige Zahlungen ausfĂŒhren.

Selbstverantwortung stÀrken: das 3-Konten-Modell

Es gibt noch einen dritten Weg, das gemeinsame Budget zu verwalten: mit einem 3-Konten-Modell. Das ist nicht kompliziert. Dabei nutzt ihr ein gemeinsames Konto fĂŒr eure Einnahmen. Auch alle eure fixen, alltĂ€glichen Ausgaben, wie Miete, Energie, Transport, Energie, Kinderbetreuung und Lebensmittel werden von diesem Konto abgebucht. Was dann ĂŒbrig bleibt, wird durch zwei geteilt. Die gleich hohen BetrĂ€ge werden anschließend jeweils auf persönliche Konten ĂŒberwiesen. Das ist fĂŒr viele eine selbststĂ€ndigere Lösung als das Gemeinschaftskonto. Doch auch dieses Modell hat Nachteile.

Bei allen 3 Kontenmodellen, also sowohl beim Gemeinschaftskonto als auch bei getrennten Konten mit Ausgleichszahlung und beim 3-Konten-Modell kann eine Schenkungssteuer fÀllig werden.

Entscheidungsbaum Kontenmodell

Entscheidungsbaum Kontenmodell

Hast du schon ein Modell, mit dem du zufrieden bist? Welches Kontomodell hast du fĂŒr deine Familie gewĂ€hlt? Über deinen Kommentar freue ich mich schon sehr.

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Kommentare

3 Antworten zu „Gemeinsames Konto oder getrennte Konten: Die Vor- und Nachteile“

  1. Avatar von Familien Finanzen im Griff
    Familien Finanzen im Griff

    Ich finde getrennte Konten ĂŒberhaupt nicht gut, aber das muss jedes Paar fĂŒr sich selbst entscheiden. Als meine Frau und ich zusammen gekommen sind, haben wir unsere Konten und Schulden zusammen geworfen und jeder trĂ€gt sein Teil dazu.

    Mal verdient der eine mehr oder mal der Andere, meine Frau ist seid 4 Jahren in Elternzeit und ich sitze mit Kurzarbeit wegen Corona daheim. Was bringt es, wenn jeder sein eigenen Kampf fĂŒhren muss.

    Keiner von uns muss sich rechtfertigen fĂŒr etwas, was er haben muss. Unser Vorteil wird aber wohl sein, das wir den gleichen Umgang mit unseren Finanzen haben.

    Es ist kein leichtes Thema, aber ich wĂ€re immer fĂŒr ein Gemeinschaftskonto.

    Gruß Stefan von

    Familien Finanzen im Griff

    1. Avatar von Eva
      Eva

      Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar! Ja, das Thema finde ich auch nicht einfach. Hoffentlich konnte der Artikel so ein paar Vor- und Nachteile beleuchten um die Entscheidung besser zu treffen. Schön, dass ihr eine Art gefunden habt, die ihr beide gut findet!

  2. Avatar von kerstinundshadow
    kerstinundshadow

    Mein Mann und ich haben in 22 Jahren schon verschiedene Kontenmodelle ausprobiert.

    Vor der Heirat hatten wir ein Gemeinschaftskonto fĂŒr Lebensmittel und Benzin, das laufend leer war. Blöd. Und jeder sein Konto. Gut.

    Als unser Sohn auf die Welt kam, gaben wir unsere zwei Konten auf und richteten ein einziges Konto ein. Da mein Mann sechs Jahre Hausmann war, musste er jede seiner Ausgaben vor mir rechtfertigen. Ganz schlecht fĂŒr alle Beteiligten. Besser wĂ€re gewesen, das Kindergeld plus X auf ein eigenes Konto zu ĂŒberweisen.

    Inzwischen haben wir zwei vollkommen getrennte Konten, sogar bei unterschiedlichen Banken. Wir arbeiten wieder beide. Mein Mann bezahlt Strom und Heizung, sein Benzin, seine Versicherungen und seine Hobbys. Ich kaufe die Lebensmittel, Kinderkleidung und zahle meine Dinge. Die finanzielle EigenstÀndigkeit gefÀllt uns beiden am besten. Auch, weil unser Umgang mit Geld sehr unterschiedlich ist. Ich bin sparsam bis beinahe geizig, mein Mann nicht so.
    Viele GrĂŒĂŸe von Kerstin

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